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Ziege - Success Story

Die Züchter schliessen sich zusammen, um für Gitzifleisch zu werben

Pierre Schlunegger, seines Zeichens Pionier für die professionelle Ziegenzucht in der Schweiz, führt einen Betrieb in Forel-Lavaux (VD) mit 250 Milchziegen der Rassen "Gemsfarbige Gebirgsziege" und "Saanenziege". Der gesamte Milchertrag wird für die Produktion von ca. 30 Tonnen Käse/Jahr eingesetzt. Es werden 15 Käseprodukte erzeugt, die man in  zahlreichen Westschweizer Verkaufsstellen findet.

Um die Nachfrage das ganze Jahr über befriedigen zu können, sortiert Pierre Schlunegger einen Teil seiner Ziegen aus, damit sie im Herbst niederkommen und im Winter Milch produzieren können. "Das Gitzi ist ein notwendiges Übel, um Milch produzieren zu können. Über das Jahr hinweg behalte ich etwa 100 Gitzis für die Zucht, es bleiben aber immer noch zwischen 150 und 200 übrig, die ich anderweitig anbringen muss." Die Gitzis kann er verkaufen, weil er ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut hat, insbesondere mit Restaurants, aber auch mit Privatpersonen. Damit bildet er allerdings eine Ausnahme. "Es ist schon so: Im Grossen und Ganzen ist der Verkauf von Gitzifleisch in der Schweiz überhaupt nicht strukturiert. Mit Ausnahme der Osterzeit, wo durch eine hohe Nachfrage auch einen korrekten Preis für die Gitzis erzielt werden kann, , werden beim Verkauf von Gitzifleisch Verluste eingefahren."

Gründung des Vereins «Cabri Romand»

Auf Grund von dieser Feststellung wurden 2013 der Verein "Cabri Romand" gegründet und das gleichnamige Label ins Leben gerufen. Diese von Pierre Schlunegger präsidierte Gruppierung Westschweizer Ziegenzüchter will die lokale Produktion fördern, um ein Gegengewicht zum Fleischimport bilden zu können. Unterstützt wird der Verein dabei vom Kanton und vom Schweizerischen Ziegenzuchtverband.

Vordringlichstes Ziel von "Cabri Romand" ist es, Angebot und  Nachfrage von  Gitzifleisch zu regulieren, die Konsumenten für dessen Herkunft zu sensibilisieren und über die zahlreichen ernährungsspezifischen Vorteile von Gitzifleisch zu informieren. Hinsichtlich dieser Zielsetzung hat der Verein im April im Restaurant Ermitage in Vufflens-le-Château eine aussergewöhnliche Pressekonferenz organisiert, an der die Sterneköche Bernard und Guy Ravet verschiedene feine Gänge mit Gitzifleisch servierten, bei denen man sich von der Zartheit des Fleisches überzeugen konnte und  zudem weitere Vorteile aufweist.Es ist sehr leicht verdaulich, verfügt über einen niedrigen Fett- und Cholesteringehalt,  ist  reich an Proteinen und mehrfach gesättigten Fettsäuren (Omega 3/Omega 6). Es stellt damit eine sehr gute Alternative für Konsumenten dar, die auf ihre Linie und ihre Gesundheit achten.

Pressekonferenz des Vereins «Cabri Romand», 2. April 2014, Vufflens-le-Château. Pierre Schlunegger (links) im Beisein von Sternekoch Bernard Ravet, der eigens für den Anlass Rezepte für sämtliche Fleischteile des Gitzis kreiert hat. 

Leicht und kalorienarm: Gitzifleisch ist ein feines Mahl, das sich ideal für eine kalorien- und cholesterinarme Ernährung eignet. Auf dem Bild: ein von Bernard und Guy Ravet gezaubertes Menu – Fleischroulade aus Gitzischulter im eigenen Saft, Löwenzahn und Bärlauch, Portulak.

Ziele des Vereins für die Zukunft

Für die Zukunft möchte der Verein einen oder zwei Mastställe einrichten, in die die Züchter ihre Gitzis bringen können. Diese Initiative zielt darauf ab, die Periode, in der die Ziegen niederkommen und die Produktion auf Hochtouren läuft, abzufedern. "Um ein derartiges zentralisiertes und kontrolliertes System einrichten zu können, muss man lernen, gemeinsam am selben Strick zu ziehen. Die Zusammenarbeit ist unabdingbar, wenn wir ausgeglichene Marktbedingungen für alle schaffen wollen."

Der Verein wird seine Sensibilisierungskampagne anlässlich einer weiteren Pressekonferenz im September 2014 im Vallée de Joux fortführen. Bei diesem Anlass soll das Fleisch des bereits von der Milch entwöhnten Gitzis (6 Monate alt) im Vordergrund stehen.

Die Einführung des Futters VivOmega 1998 hat eine spektakuläre Verbesserung der Tierbestände, der Milchqualität und des betrieblichen Käseertrags ermöglicht.  

Pierre Schlunegger (rechts) mit unserem Ziegenfachmann Claude Van Hee: eine erfreuliche 20-jährige Zusammenarbeit.


Pierre Schlunegger arbeitet bereits seit über 20 Jahren mit Provimi Kliba zusammen und wir sind sehr stolz, unseren Beitrag zum Erfolg seines Betriebes leisten zu können, der in der Welt der professionell betriebenen Ziegenzucht auf nationaler Ebene als mustergültig bezeichnet werden kann. Wir danken ihm für sein Vertrauen und wünschen ihm viel Erfolg bei seinen zahlreichen Bestrebungen, die Interessen der Ziegenzüchter zu verteidigen.

Ziegen züchten?

Ratschläge von Pierre Schlunegger, Züchter seit 1981, Präsident des Vereins «Cabri Romand» und Vertreter der Westschweiz im Schweizerischen Ziegenzuchtverband (SZZV):

"Die Ziegenzucht ist ein rentables Unterfangen, wenn man es richtig macht. Es wird eine beträchtliche Menge Ziegenkäse importiert, die Absatzchancen sind also vorhanden, aber man muss sich seinen Platz doch erst erkämpfen. Bevor man mit der Ziegenzucht beginnt, sollte man sich über den Absatz der Produktion kümmern und sämtliche Details sorgfältig abklären.

Ziegenzüchter ist ein Beruf für leidenschaftliche Personen, die die Unabhängigkeit lieben. Man muss diese Tiere lieben, denn die Ziege ist ein zartes Wesen, das viel Aufsicht und Aufmerksamkeit benötigt. Auf der anderen Seite ermöglicht es dieser Produktionstyp, seine Produkte bis ganz zum Schluss selbst zu fertigen und er bietet viele Freiheiten beim Absatz dieser Produkte."

 

Mehr lesen auf dem gleichen Thema:

> Artikel Mag. ANIMO (Dez. 2009) "Pierre Schlunegger, Fore-Lavaux (VD). Ziegenhaltung auf höchsten Niveau"

> Cabri Romand Pressemitteilung (auf französisch)

 

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Stichworte: Ziege, Success Story

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